In Portugal ist es nie flach. Das dachte ich zumindest, bevor ich nach Almeida kam. In der Region, die auf einer Hochebene auf rund 700 Metern über Meer an der Grenze zu Spanien liegt, wurde ich eines Besseren belehrt. Über alle 4 Wettkämpfe betrug die totale, summierte Höhendifferenz ziemlich genau 1000 Höhenmeter. Zudem waren es für mich die ersten internationalen Meisterschaften, welche fast ausschliesslich ausserhalb von bewaldetem Gebiet stattfanden. Trotzdem blicke ich auf spannende und fordernde Wettkämpfe sowie einige gute Resultate zurück.
Doch der Reihe nach: Die Woche startete mit dem Sprint. Dieser fand im und ums historische Städtchen Almeida statt. Das Städtchen, gebaut in einer sternförmigen Burgmauer, versprach spannende und herausfordernde Bahnen. Die tatsächlichen Bahnen waren dann eher einfach, ins Städtchen selbst ging es nur kurz. Auch die Schwierigkeiten mit verschiedenen Brücken und Tunneln um die Burgmauern rum wurden nur spätlich eingesetzt. So wurde es ein schnelles, physisches Rennen mit kleinen Zeitabständen. Ich wählte eine falsche Route und zudem unterlief mir ein zeitraubender Fehler mit einer verpassten Abzweigung. Beide Fehler kosteten je rund 40 Sekunden, zusammen spülten sie mich auf Rang 29 zurück, was für mich sehr enttäuschend ist.

Am zweiten Tag der EM stand die Mitteldistanz an. Diese fand in einem anderen Gelände, etwas südlich der Grenzstadt Vilar Formoso, statt. Im nicht weniger flachem Gelände war die Hauptschwierigkeit, die Querfahr-Optionen richtig einzuschätzen und umzusetzen. Dies gelang mir relativ gut. Physisch kam ich aber nicht so richtig auf Touren und hatte Mühe im flachen Gelände meinen Rythmus zu finden. In einem wiederum durch sehr kleine Zeitabstände geprägten Rennen fuhr ich auf Rang 13, womit ich relativ zufrieden bin.
Die letzte Einzeldisziplin war der Massenstart. Grösstenteil im gleichen Gebiet wie die MIteldistanz am Tag zuvor galt es wiederum, die guten Querrouten zu finden und sauber umzusetzen. Zudem war mein Hauptziel für diesen Wettkampf, möglichst nie alleine unterwegs zu sein. Denn in diesem flachen Rennen mit Durchschnittstempi von bis zu 30 km/h ist ein guter Windschatten essenziell. Ich konnte mein Ziel gut umsetzen und war immer in einer Gruppe unterwegs. Bis kurz vor der Schlussschlaufe fuhr ich noch in einer Gruppe, welche am Schluss noch um die Medaillen kämpfte. Ich wählte kurz vor der Schlussschlaufe bewusst eine andere Route, um eine Entscheidung nicht physisch suchen zu müssen. Die Entscheidung fiel, aber nicht zu meinen Gunsten, meine Route war langsamer. Ich schaffte es noch gerade vor der nachfolgenden Gruppe ins Ziel und schaffte es auf Rang 9. Mit dem Resultat bin ich zufrieden, und trotzdem frage ich mich, wie weit es gereicht hätte, wäre ich bei meiner Gruppe geblieben.
Der Abschluss dieser Europameisterschaft bildete die Staffel. Im ersten Schweizer Team fuhr ich zusammen mit Doppeleuropameisterin Celine und Diplomgewinner Noah. Ich übernahm die zweite Strecke unseres Teams, und erlebte einen Tag zum Vergessen. Ich startete meine Strecke gemeinsam mit Vojtech Ludvik. Ich erwischte schon früh ein Stück Holz so, dass es sich in meiner Kassette festsetzte und ich meinen grössten Gang nicht mehr brauchen konnte. Bei der ersten Gabelung hatte Vojtech die kürzeste Variante, ich die längste. So verlor ich den Anschluss an ihn. Kurz darauf verpasste ich eine Abzweigung, wähnte mich auf dem falschen Weg, entschied mich für eine Querroute von einem falschen Standpunkt aus und verlor die Orientierung komplett. Zusammen mit Rasmus Nordgren von Schweden versuchte ich mich wieder aufzufangen. Mit einem Zeitverlust von rund 5 Minuten fand ich anschliessend wieder zurück ins Rennen, welches von da an wieder einigermassen okay lief. Ich bin extrem enttäuscht von meiner Leistung in der Staffel. In diesem Format nicht seine Leistung abrufen zu können ist dreimal so schlimm, weil gleich mehrere TeamkollegInnen für ihre guten Leistungen nicht belohnt werden. Nach mehreren Jahren mit immer guten und sehr guten Staffelrennen meinerseits muss ich nun lernen, mit so einer Leistung umzugehen. Der Trost meiner TeamkollegInnen half mir sehr. Ich hoffe sehr, bald wieder einen nächsten Staffeleinsatz bestreiten zu können und da gemeinsam feiern zu können.
Nun gehts weiter mit zwei Wochenenden in Frankreich, einer kurzen Wettkampfpause, einem weiteren Wochenende in Frankreich und schon bald folgt mein nächstes Highlight, das O-Ringen in Göteborg, Schweden. Bis bald!

