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Weltmeisterschaften in Schweden

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Zum zweiten Mal in meiner Karriere reiste ich für Weltmeisterschaften nach Schweden. Nach der WM in Falun im Jahr 2022 reisten wir nun rund 90 km weiter nordwestlich, wiederum Dalarna. Nach der EM in Portugal investierte ich viel in die Vorbereitung dieser WM. Wir reisten nach Göteborg ans O-Ringen, um uns mit den Schwedischen Eigenheiten im Bike-O (wieder) vertraut zu machen. Auch wenn das Gelände fahrtechnisch deutlich anspruchsvoller und auch orientierungstechnisch andere Anforderungen stellte, war es ein wichtiger Teil der Vorbereitung, man konnte sich auch mit der internationalen Konkurrenz auf schwedischem Boden vergleichen. Ich beendete das O-Ringen auf dem 4. Rang im Gesamtklassement, hinter 2 weiteren Schweizern (Simi und Noah).

Auch die Flucht in die Höhe brachte nicht viel Abkühlung…

Die letzten Wochen Vorbereitungen zu Hause hatte ich Mühe mit der Hitze. Ich konnte meine geplanten Intervalle oft nicht durchziehen, musste sie mit tieferer Leistung als geplant fahren oder gar abbrechen. Mir war der Einfluss der Hitze bewusst, hatte aber Mühe einzuschätzen, wie meine Form jetzt tatsächlich ist. Mit dieser Ungewissheit reiste ich nach Norwegen, wo wir ein kurzes Vorbereitungs-Trainingslager geplant haben. Leider wurde ich auf der Anreise krank (zuerst ein Tag Fieber, dann ein Tag Durchfall, bevor der ganze Spuck vorbei war. So verpasste ich einige Tage Training und mein Formstand wurde noch ungewisser. Ich konnte dann zum Schluss des Kurz-TLs noch zwei Trainings absolvieren und freute mich auf einen Neustart ohne Probleme in Mora, dem Austragungsort der WM.

Langsamer Spaziergang als Regeneration statt spannende Bike-O-Trainings in Norwegen

Wir reisten bereits 5 Tage vor dem offiziellen Start der WM nach Mora, um uns mit der Unterkunft vertraut zu machen und auf den vom Veranstalter bereitgestellten Trainingskarten den letzten Feinschliff zu holen. Ich fühlte mich bereit für diese WM!

Der erste Wettkampf der WM war die Mitteldistanz. Meine favorisierte Disziplin stellte sich leider im relativ langen Mittelabschnitt des Rennens als kurze Langdistanz mit relativ geringer orientierungstechnischer Herausforderung heraus. Das Gelände hätte mehr hergegeben, ich war schon etwas enttäuscht von der einfachen Bahn. Die einfache Bahn resultierte in einem sehr engen Rennen mit kleinen Zeitabständen, welches ich auf dem 15. Rang beendete, nur 19 Sekunden hinter der Top10 und 3 Sekunden hinter der Top12.

Der Zielsprint im Middlewettkampf, eingefangen von Rafael Brand.

Ich wollte es tags darauf besser machen in der Langdistanz. Auch wenn ich wusste, dass das sehr flache und eher sandige Gelände mit nicht so liegt, setzte ich Hoffnungen in hohe orientierungstechnische Anforderungen. Ich zeigte über weite Teile ein sehr sauberes Rennen ohne Fehler. Leider nicht ohne Fehler, und der eine Fehler kostete rund 8 Minuten. Ich verwechselte den 19. Posten mit dem 16. Posten und realisierte dies erst nach dem 18. Posten. Die Zusatzschlaufe kostete viel Zeit, raubte mir aber nicht die Moral. Ich konnte auch danach voll weiter pushen und absolvierte den anspruchsvollen Schlussteil ohne Fehler. Der 34. Rang war aber eine grosse Enttäuschung, ich erhoffte mir deutlich mehr aus diesem Rennen. Aber auch ohne diesen Fehler wäre nicht viel mehr als die Top20 drin gelegen.

Volle Fahrt über die Rollski-Loipen im Stadion von Mora (Rafael Brand)

Das letzte Einzelrennen war der Sprint, da dieses Jahr der Massenstart im WM-Programm fehlte. In einem spannenden und hervorragend organisierten Rennen galt es, keine Sekunde zu verlieren. Die Bahn war leider wiederum nicht sehr anspruchsvoll und das Rennen wiederum sehr eng. Ich beendete das Rennen auf Rang 24, knapp 2 Minuten hinter dem Sieger und gut 1 Minute hinter der Top10. Rückblickend muss ich zugeben, wohl etwas zu verhalten gefahren zu sein, in diesem Rennen musste man wirklich alles riskieren und nicht zu viel Sicherheit einbauen.

Voller Fokus bei voller Fahrt (Rafael Brand)

Im abschliessenden Rennen, der Staffel, gelten jeweils andere Regeln. Hier werden viel mehr Fehler gemacht, die Nerven spielen auch bei Top-FahrerInnen eine Rolle. So verabschiedete sich das zweite Finnische Team mit Vortages-Weltmeister Tomi Nykanen bereits früh mit einem Platten nach einem Fahrfehler über ein Zuggeleise. Silas, der die erste Strecke in unserem Team übernahm, zeigte über lange Zeit ein hervorragendes Rennen und konnte sich in der Spitzengruppe etablieren. Leider unterlief ihm kurz vor dem Zuschauerposten ein Fehler, welcher rund 2 Minuten kostete. Er übergab mit auf dem 12. Rang (unbereinigt). Ich konnte mit einer Lücke von je rund 20-30 Sekunden nach vorne (Finnland 3) und hinten (Österreich 1) in mein Rennen starten. Der Start des Rennens war relativ stark gegabelt und ich konnte mein Rennen alleine in Angriff nehmen. Ich fühlte mich sicher im grösstenteils bereits bekannten Gelände sicher und konnte auf einigen Teilstrecken identische Routen wie in vorherigen Wettkämpfen anwenden. Ich konnte so immer wie mehr Konkurrenten ein- und überholen. Ich konnte bis zur Gruppe, welche um den 2. Zwischenrang kämpfte, aufschliessen. Dies auch. Ich wählte kurz vor dem Zuschauerposten noch eine etwas langsamere Route und verpasste so den Windschatten im rein physischen Schlussteil. Immerhin stellte ich sicher, den letzten Posten zu quittieren, nicht wie das erste Finnische und das zweite Französische Team. Top-Favorit Finnland 1 nahm sich so relativ fahrlässig aus dem Rennen, was uns aber die Tür zum Podium weit öffnete. Ich übergab an 6. Stelle (5. bereinigt, pro Nation zählt nur ein Team) an Noah, der noch beflügelt von seiner ersten WM-Einzelmedaille vom Vortag seine Aufholjagd startete. Schon bald konnte er diverse Konkurrent, vor allem beide Tschechischen Teams, überholen. Das weit in Führung liegende Frankreich büsste kontinuierlich Zeit ein, so kam Litauen und auch wir immer näher an die Goldmedaille ran. Während Litauen kurz vor der Schlussschlaufe den Anschluss an Frankreich herstellen konnte und anschliessend den Schlusssprint für sich entscheiden konnte, konnte Noah den Bronzerang ohne Bedrängnis mit knapp 2 Minuten Vorsprung auf den 4. Rang (Italien) heimbringen! Meine erste WM-Medaille seit der letzten WM in Schweden war tatsache, und nach einer eher verkorksten WM eine grosse Erlösung. Den Abschluss der WM bildete tratidionsgemäss das Bankett, von dem ebenfalls traditionsgemäss nicht berichtet wird. Nun geniesse ich einen Saisonabschluss zurück im schweizerischen Sommer und zurück in den Bergen, wenn immer möglich. In rund einem Monat könnt ihr hier einen umfassenden Saisonrückblick lesen, bis bald!