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Saisonstart in Portugal

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Nach einem langen und trainingsintensiven Winter reiste ich nach Portugal und Spanien, um die ersten Selektionswettkämpfe zu bestreiten und mich ein erstes Mal mit der internationalen Konkurrenz zu vergleichen. Dank einem verfrühten Frühling in der Schweiz war ich schon perfekt akklimatisiert für das Wetter in Portugal. Die ersten beiden Wettkämpfe, ein Mitteldistanzrennen und ein Sprint, fanden in der Region Evora im Südosten von Portugal statt. Mein Start in die Saison glückte gut, im ersten Rennen wurde ich Zweiter. Ich fühlte mich sofort zuhause in den portugiesischen Wäldern und konnte meine umfangreichen Erfahrungen in portugiesischen Bike-OLs gleich einsetzen. Der Sprint glückte mir etwas weniger gut. Gleich zu Beginn hatte ich Begegnungen mit Autos in den relativ engen Strässchen des kleinen Orts. Dies rückte meinen Fokus stark auf die Sicherheit, ich verlor den Flow, der in einem Sprint das wichtigste Mittel zu einem schnellen Rennen ist. Zudem bekundete ich etwas Mühe mit der teilweise sehr kurzen Reichweite der Posteneinheiten. Es resultierte der 8. Rang.

Cool-Down mit Noah

Danach ging es gleich weiter mit einem viertägigen Trainingslager in Portugal, organisiert durch Jean-Charles. In abwechslungsreichem Gelände konnte ich mich vertieft an die Eigenheiten des portugiesischen Geländes gewöhnen. Insbesondere das Lesen der Geländeformen und das Zählen der Steigung pro Route stellten sich als wichtige Erfolgsfaktoren heraus. Auch das Auswendiglernen von Routenumsetzungen ist besonders für die teilweise technisch herausfordernde Abfahrten wichtig. In drei urbanen Sprint-Trainings konnten ich zudem Routine im Navigieren in engen portugiesischen Gässchen gewinnen. Dies ist besonders wertvoll, weil man das nicht «trocken» trainieren kann und bei uns zuhause kaum möglich ist.

Massenstart-Training in Portugal, im Zweikampf mit Hannes. (Foto: Georg Koffler)

Nach einem Ruhetag folgten drei Wettkämpfe in Spanien. In der Region Extremadura fanden am Samstag zuerst ein Massenstart und abends ein Sprint statt. Der Massenstart gelang mir über grosse Zeit recht gut. Zu Beginn hatte ich etwas unvorhergesehene Probleme auf meiner Gabelungsvariante. Ein eigentlich als offen eingezeichnetes Tor war geschlossen, ich und zwei österreichische Konkurrenten mussten über das rund zwei Meter hohe Tor klettern. Danach wählte ich eine eigentlich sehr schnelle Route durch ein kleines Tälchen. Dieses war aber voll mit einer Herde Kühe mit Muttertieren und einem Stier. Ich stellte mich also hinten an und trieb die Herde über einige hundert Meter durchs Tal. Trotzdem war meine Route immer noch schneller! Danach bestritt ich ein eher einsames Rennen. Gegen Ende schien die Energie vor allem im Kopf etwas nachzulesen. Mir unterlief ein Parallelfehler mit einem Zeitverlust von rund 2 Minuten. Rangmässig hätte sich wohl nichts mehr geändert, der Rückstand aufs Spitzenduo Fabiano/Noah war schon da. Ich konnte meinen dritten Rang noch vor Luca ins Ziel retten. Der Sprint abends war kein Selektionsrennen und fand auch nicht in urbanem Gelände statt. Trotzdem war ich motiviert, die vielen Sprinttrainings in einem Rennen umzusetzen. Mitte Rennen verlor ich kurz komplett den Faden und verlor über drei Posten hinweg rund 1.5 Minuten. Ansonsten war der Sprint relativ gut, aber ich konnte die angestaute Müdigkeit vom Trainingslager vor allem im Kopf gut spüren. Den Abschluss des Trainingslager bildete die Mitteldistanz. Diese fand in halboffenem Gelände statt, das demjenigen im neuen EM-Austragungsort Almeida (Almeida springt ein für das durch den Sturm verwüstete Ourem) am meisten ähnelt. Ich fühlte mich relativ wohl im Gelände. Die Kartierung von erlaubten Offroad-Strecken (das verlassen der Wege ist ausserhalb dieser Strecken nicht erlaubt) und die inexistente Markierung im Gelände empfand ich als sehr herausfordernd. Wenn man nicht unerlaubt abkürzen will, muss man mehr Zeit ins Kartenlesen investieren. Besonders wenn dann, meist AthletInnen aus den älteren Alterkategorien, einfach irgendwo kreuz und quer durchs Gelände fahren, stellt man sich die Frage, wofür man sich an Regeln halten soll. Zum Glück ist das Bewusstsein dafür in der Elite-Kategorie deutlich grösser. Aber um zukünftig weiterhin Bewilligungen für Wettkämpfe in Gebieten mit sensibler Flora, Fauna oder sensiblen Eigentümern zu bekommen, ist es unerlässlich, dass sich alle an die Regeln halten. Auch die Veranstalter sind gefordert, unklare Situationen durch klare Kartierung und/oder Markierungen im Gelände zu vermeiden. Zurück zu meinem Mitteldistanzrennen: Am Schluss machte ich noch einen Fehler, weil einen nicht kartierten Weg nahm und so am erwarteten Postenstandort keinen Posten fand. Ich brauchte länger als andere, mich aufzufangen. Ich beschloss das letzte Rennen auf dem 4. Rang.

Ich blicke sehr positiv auf dieses Trainingslager zurück. Wir verbrachten viele Kilometer auf verschiedenen Karten und fuhren viele Posten an. Besonders die vielen Urban-Sprint-Trainings empfand ich als sehr wichtige Vorbereitung für die EM Ende Mai. Wir hatten eine gute Stimmung im Team und wuchsen einmal mehr zusammen, konnten aber auch neue Gesichter integrieren. Ich weiss, woran ich bis zum Weltcup und der EM noch arbeiten muss und blicke voller Zuversicht auf die nächsten Rennen, von denen ihr hier bald lesen könnt. Bis bald!